Aktionsbündnis: Bis zu 140 Windräder im Naturpark Reinhardswald möglich !!

Wie viele Windparkanlagen könnten im Naturpark Reinhardswald entstehen – und wie wirken sich diese auf den Tourismus aus?

 

Mit dieser Fragestellung hat sich das Aktionsbündnis Märchenland beschäftigt und einen offenen Brief verfasst – und eine Rechnung präsentiert. Darauf reagiert der Landkreis. Die Argumente im Überblick:

 

Das Aktionsbündnis!!

Die Rechnung des Aktionsbündnisses (rettet-den-reinhardswald.de) lautet: Auf 17 Windvorrangflächen mit insgesamt 3000 Hektar im Naturpark könnten bis zu 140 Windkraftanlagen entstehen. Nach Vorlagen aus dem Regierungspräsidium Kassel hat das Bündnis eine Karte zusammengestellt (siehe Grafik), diese sei maßstabsgerecht.

 

Darauf verzeichnet sind auch die 18 Anlagen des Windparks Reinhardswald (Flächen KS4a+b), für den gerade das Genehmigungsverfahren beim RP läuft. Einwendungen können noch bis zum 4. Januar erfolgen (Infos: https://rp-kassel.de/presse unter Öffentliche Bekanntmachungen). Die Planer rechnen ihrerseits mit einer Genehmigung bis zum Sommer 2021.

 

Zudem würden im Naturpark längst weitere Windprojekte vorangetrieben, ergänzt das Bündnis, insgesamt 50 Anlagen seien in Planung. „Dabei sind schon jetzt über 40 Windanlagen an der Grenze zu NRW im Naturpark vorhanden“, schreiben Annette Müller-Zitzke und Oliver Penner. Zudem stünden Flächen für weitere 50 zur Verfügung.

Damit kommt das Bündnis auf die Gesamtzahl von 140 als „realistische Menge im Naturpark“. Von den im Tourismus verwendeten Attributen wie „wild, romantisch, ursprünglich, märchenhaft“ werde angesichts dieser Pläne am Ende nichts mehr übrig bleiben, sagt das Aktionsbündnis – mit allen Auswirkungen auf diesen „herausragenden, unverzichtbaren Naturraum“, die Zukunft der Region und die Lebensqualität“.

 

In dem offenen Brief der Windkraftgegner, der sich auch an die Bundestagsabgeordneten Esther Dilcher und Timon Gremmels sowie Landrat Uwe Schmidt richtet, wird Vizelandrat Andreas Siebert als Naturpark-Vorsitzender aufgefordert, bei den „exzessiven Bebauungsplanungen“ genau hinzuschauen. „Nutzen Sie alle Ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten mit dem Ziel des Innehaltens und der Forderung der Überprüfung sämtlicher Planungen.“ Und: Für ein Gespräch stehe man gerne zur Verfügung.

 

Der Landkreis!!

Die Zahlen des Aktionsbündnisses und die Karte könne man von sich aus nicht bewerten, heißt es vom Landkreis auf Anfrage. Für den Kreis seien die Zahlen und Karten maßgeblich, die mit der letzten Änderung des Teil-Regionalplans Energie von der Regionalversammlung Nordhessen beim RP Kassel veröffentlicht wurden (https://rp-kassel.hessen.de/planung/regionalplanung/erneuerbare-energien/windenergie).

 

Hier seien aber nur die Flächen aufgezeigt, auf denen Windenergienutzung möglich ist. Das bedeute nicht, dass überall dort auch die möglichen Anlagen entstehen werden, so der Landkreis. Dies werde für jeden Standort durch das zuständige RP Kassel im Genehmigungsverfahren geprüft. Deswegen seien Aussagen zur Gesamtmenge von Anlagen in der Regel nicht belastbar: Bei der vom Aktionsbündnis genannten Zahl der bereits vorhandenen Windkraftanlagen habe man sicher auch Anlagen gezählt, die nicht auf dem Gebiet des Naturparks Reinhardswald stehen.

Die Kritik, dass der Bau von Windkraftanlagen die Entwicklung des Naturparks Reinhardswald gefährde, teile der Landkreis nicht. Ein Naturpark sei kein Naturschutzgebiet – und im Naturpark sei wirtschaftliche (Tourismus, Landwirtschaft, lokale Wirtschaft) Entwicklung auch nach der Ausweisung weiter möglich.

Aus Sicht des Landkreises wurde bei der Ergänzung des Teil-Regionalplanes 2019 auf eine Reihe von Hinweisen Rücksicht genommen. So sei beispielsweise die Gesamtvorrangfläche für Windkraft im Landkreis verringert worden, und für Gottsbüren habe man eine Umfassung durch Windkraftanlagen verhindert. In den Gremien des Naturparks werde das Thema Windkraft ähnlich kontrovers diskutiert wie in der Öffentlichkeit, zumal es sich bei den Kommunen auch um dieselben unterschiedlichen Auffassungen wie außerhalb der Naturparkgremien handele, ergänzt der Landkreis.

Und: Obwohl der Kreis keine Zuständigkeit im Genehmigungsverfahren für die einzelnen Windkraftanlagen habe, stehe Vizelandrat Andreas Siebert als zuständiger Dezernent für den Fachbereich Bauen und Umwelt konstruktiven Gesprächen offen gegenüber. (Matthias Müller).

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