So kommt der Lockdown durch die Hintertür !!

Deutschland ist sich einig: Einen zweiten Lockdown darf es nicht geben. Diese Absichtserklärung bedeutet indes lange nicht, dass es nicht erneut zum völligen Stillstand kommt. Denn derzeit handelt die deutsche Politik kopflos.
 

Whatever it takes – gemacht wird, was immer nötig ist. Dieser von Mario Draghi auch in Deutschland popularisierte Ausdruck war unausgesprochen das Leitmotiv des Corona-Lockdowns im Frühjahr: Die exponentielle Ausbreitung des Virus sollte gestoppt werden, ohne Rücksicht auf die sozialen und wirtschaftlichen Kosten. Die sonst in der Politik übliche Güterabwägung wurde vorübergehend eingestellt.

Coronavirus: Northern England restrictions eased and bank holiday traffic  boost - BBC News

Dieser Ansatz fand damals breite Zustimmung, so wie sich zwischenzeitlich ein Konsens darüber herausgeschält hat, dass diese Episode eine einmalige bleiben muss: Einen zweiten Lockdown darf es angesichts der dann drohenden Verwerfungen nicht geben, um jeden Preis.

Das, so stellt sich gerade heraus, bedeutet aber noch lange nicht, dass es keinen neuerlichen Lockdown geben wird. So kopflos, wie die deutsche Politik gerade der zweiten Infektionswelle entgegenstolpert, ist geordnetes oder auch nur koordiniertes Pandemiemanagement bis auf Weiteres nicht zu erwarten.

Die Reisebeschränkungen im Inland, die gerade schon verhängt werden, sind da das beste Beispiel. Dass es viel bringt, wenn Kreuzberger nicht mehr ohne Weiteres nach Kiel fahren dürfen und Remscheider nicht mehr nach Rendsburg, darf getrost bezweifelt werden: Ja, die existierenden Corona-Hotspots haben höhere Fallzahlen als der Rest der Republik. Es ist aber auch nicht so, dass ganze Größenordnungen dazwischen lägen.

Auf der anderen Seite können Reisebeschränkungen gar zu leicht zu einem Lockdown durch die Hintertür werden: Datenauswertungen etwa von Google aus dem Frühjahr zeigen, wie stark wirtschaftliche Aktivität und menschliche Bewegungsfreiheit zusammenhängen. In einer modernen, hoch arbeitsteilig operierenden Volkswirtschaft sind Mobilitätshemmnisse daher Konjunkturkiller – und damit genau das, was die labile Wirtschaft so gar nicht gebrauchen kann.

Der Hinweis, dass Reisebeschränkungen nur gezielt eingesetzt werden, hilft dabei nicht weiter: Angesichts der Dynamik, die das Infektionsgeschehen gerade entwickelt, dürften schon vereinzelte Maßnahmen über ihre Signalwirkung ziemlich flächendeckende Folgeschäden nach sich ziehen: Wer plant jetzt noch eine Reise, wenn man nicht weiß, ob man wieder zurückkommt oder auch nur hin?

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