UN-Rede spaltet die WeltPsychologe erklärt, woher der Hass auf Greta Thunberg kommt!

Greta Thunberg hat das Klima-Treffen in New York mit einer emotionalen Ansprache aufgerüttelt. Weltweit hat die Rede der 16-Jährigen viele Menschen bewegt – viele hat sie aber auch zu Hasskommentaren statt zu sachlicher Kritik veranlasst. Ein Psychologe erklärt, wieso es zu den feindseligen Reaktionen kommt.

Hochemotional war die Wutrede, die Greta Thunberg am Montag beim Klima-Treffen gehalten hat. „Wie könnt ihr es wagen, meine Träume und meine Kindheit zu stehlen mit euren leeren Worten?“, fragte die 16-Jährige. „Menschen leiden, Menschen sterben, ganze Ökosysteme brechen zusammen. Wir stehen am Anfang eines Massenaussterbens und alles, worüber ihr reden könnt, ist Geld und die Märchen von einem für immer anhaltenden wirtschaftlichen Wachstum.“ Hier sehen Sie Greta Thunbergs komplette Rede im Video.

Nutzer kritisieren Greta Thunberg in sozialen Netzwerken

Während sie sprach, hatte Thunberg Tränen in den Augen und manchmal brach ihre Stimme. Ihre Rede war kurz, aber deutlich – und sie polarisiert. Nach ihrer Ansprache wetterten User in den sozialen Medien gegen die 16-jährige. Die Kritik ist dabei häufig weder konstruktiv noch sachlich.

Schick die liebe Greta nach Hause, es reicht, genug an Ferien, die soll wieder zur Schule. Und die Erziehung von ihren Eltern genießen, sie nervt“, schreibt etwa Heike L. auf Facebook.

Screenshot, FOL
Kathrin W. fragt, ob „man die liebe Greta bitte mal vom Psychiater begutachten lassen“ könne.
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Und Claudia L. möchte wissen, „mit was für einem Recht legt das Kind die Beschwerde ein … Leben wir in einem Kinder-Garten … .“
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Andere werfen Thunberg vor, von außen beeinflusst zu werden: „Ferngesteuert und hat einen sehr guten Coach. Und ihren Vater wird’s besonders gefreut haben, die nächsten Millionen rollen aufs Konto“, schreibt etwa Katharina Elisabeth. Andere attestieren Greta „große schauspielerische Leistung“.

Dass die Klimaaktivistin so feindselige Reaktionen auslöst, ist zunächst unverständlich. Schließlich „tut Thunberg niemandem weh, sie ermahnt nur“, sagt Medienpsychologe Jo Groebel. „Natürlich muss sie nicht glorifiziert werden, aber Hass ist im Zweifelsfalle noch viel weniger angemessen.“ Trotzdem gibt es Groebel zufolge aus psychologischer Sicht verschiedene Gründe, die Menschen zu derlei Reaktionen treiben:

Willkommenes Objekt, um Kritik loszuwerden

„Stellvertretend für die Klimadebatte auf eine Person einzuprügeln, ist immer einfacher, als sich auf Sachargumente zu konzentrieren“, sagt der Psychologe. Viele, die die Klimadebatte generell ablehnen, fänden in Thunberg ein willkommenes Objekt, um ihre Kritik loszuwerden. Statt auf Sachargumente einzugehen und sich unbequemen Wahrheiten zu stellen, suchen Menschen lieber die Fehler von Thunberg, um sie zu diskreditieren.

„Wir haben besonders in Deutschland eine extrem gereizte Gesellschaft, die in vielerlei Hinsicht frustriert ist, die annimmt, dass man ihr etwas wegnehmen könnte und die sich Ventile sucht.“ Menschen, die frustriert sind, bräuchten Sündenböcke, gegen die sich der Hass wenden könne. „Das können heute Sozialhilfeempfänger sein, das können morgen Flüchtlinge sein“, erläutert der Psychologe. Und gerade einzelne Personen wie Greta böten sich für eine solche Frustkanalisierung besonders an. 

Zu jung und zu unerfahren!

Greta passt nicht ins Bild: Die Klimaaktivistin stelle mit ihrer Jugend und Leidenschaftlichkeit, mit der sie für das Thema eintritt, einen starken Gegensatz dar zu den großen, professionellen und häufig routiniert gewordenen Politikern, erklärt der Psychologe. Dass eine junge Frau sich erdreiste, so wichtig zu sein, um im Konzert der großen Politiker mitzuspielen, passe für viele nicht zusammen. Sie hielten Thunberg für zu jung und zu unerfahren.

Quelle: focus.de