Auerbacher Bäckerei stemmt sich gegen Wegwerf-Mentalität

Nach Geschäftsschluss übrig Gebliebenes gibt die Auerbacher Bäckerei Trützschler kostenlos an Bedürftige ab. Soziale Einrichtungen machen vom Angebot Gebrauch, Einzelpersonen so gut wie nie.

Auerbach. 

Reste in die Tonne werfen? Das ist für Bäckermeister Bernd Trützschler und seine Mitarbeiter keine Option. Was nach Geschäftsschluss noch in Regalen und Auslagen seiner Auerbacher Bäckerei liegt, wird kostenlos abgegeben. An soziale Einrichtungen und Privatpersonen, die jeden Euro dreimal umdrehen müssen. Seit einem halben Jahr weist ein Schild an der Ladentür auf das Angebot hin. Das Echo ist geteilt.

Privatleute standen Bernd Trützschler zufolge schon lange nicht mehr Punkt 18 Uhr auf der Matte, um sich ohne Bezahlung Gebäckstücke einpacken zu lassen. “Bei manchen ist sicher auch eine gewisse Hemmung da”, vermutet der Bäckermeister. “Ich habe das einfach mal gemacht. Erst ist eine ganze Weile gar nichts passiert, dann kam immer mal einer vorbei. Das Angebot steht aber”, sagt er. Anders sieht es bei sozialen Einrichtungen aus der Umgebung aus. Die Auerbacher Diakonie holt regelmäßig übrig Gebliebenes für ihre Teestube und den Brotkorb. Auch ein Falkensteiner Kinderheim gehört mittlerweile zu den Abnehmern. “Dann kommt es letztlich doch allen zugute”, zieht Bernd Trützschler positive Schlüsse aus seinem Angebot.

Schon Jahre bevor das Schild am Eingang zur Bäckerei an der Ottostraße zu sehen war, landete bei den Trützschlers keine Ware mehr im Müll. “Leute, die Enten und Gänse haben, holten sich immer mal was”, berichtet der Inhaber. Auch eine neunköpfige Familie aus Auerbach gehörte zu denjenigen Kunden, die nach Resten fragten. “Sie waren richtig froh darüber”, erinnert er sich. Bei Einzelpersonen verlangt die Bäckerei keine Beweise für Bedürftigkeit. “Es ist den Leuten schon anzusehen”, sagt Juniorchef Michael Trützschler. Und sein Vater: “Man kann nicht verhindern, dass man ausgenutzt wird.” Angesichts der Resonanz konnten solche Absichten bislang aber offensichtlich ausgeschlossen werden.

Auf die Idee, übrig gebliebene Backware nach Ladenschluss kostenlos abzugeben, kam Bernd Trützschler durch einen Artikel in einer Fachzeitschrift. “Das kam mir aufgrund meiner christlichen Überzeugung sehr entgegen”, begründet der 65-Jährige die Entscheidung. “Niemand muss in einem reichen Land wie Deutschland hungern. Wir haben einfach ein Herz für Menschen, denen es schlechter geht.”

Auch die Wegwerf-Mentalität ist Bernd Trützschler und seiner Belegschaft zuwider. Was bis zum frühen Abend keinen Käufer gefunden hat, passt in ein bis zwei Mehlsäcke. Selten in drei bis vier. Ein solcher Sack fasst 40 Kilogramm. Steine legt ihm der Gesetzgeber bei der Resteverwertung nicht in den Weg, so der Meister. “Wir dürfen das nach Ladenschluss nur nicht mehr verkaufen.”

Quelle: freiepresse.de