Cannabis-Extrakt CBD erobert Berliner Läden!

In der Schweiz liegt es bei Lidl im Regal, in Berlin konfisziert es die Polizei aus den Spätis: Hanf fast ohne THC, aber voller Cannabidiol. Das kurz CBD genannte Extrakt boomt nicht nur in der Hauptstadt – in Form von Ölen oder Gummibärchen. Von Anne Kohlick

Nur ein paar hundert Meter vom Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg entfernt, wo Dealer illegal Cannabis verkaufen, findet sich ein Laden, der sich ganz auf Hanf-Produkte mit einem anderen Wirkstoff spezialisiert hat. In der Wrangelstraße gibt es Öle, Kapseln und Extrakte zu kaufen, die Cannabidiol (CBD) in verschiedenen Konzentrationen enthalten.

Anders als das psychoaktive THC löst die aus dem weiblichen Hanf gewonnene Substanz keinen Rausch aus; der Weltgesundheitsorganisation WHO sind keine Fälle von CBD-Sucht bekannt [Link zu WHO-Report]. Stattdessen wird der Substanz mit der chemischen Formel C21H30O2 eine beruhigende und entzündungshemmende Wirkung nachgesagt. CBD helfe, besser zu schlafen, sei wirksam gegen Übelkeit und Ängste, heißt es. In den USA wurde im Sommer ein Medikament gegen Epilepsie zugelassen, das auf CBD basiert. An der Berliner Charité wird gerade in einer Studie erforscht, ob die Substanz Menschen mit Schizophrenie helfen könnte [Link zur Charité].

Nicht mehr als 0,2 Prozent THC erlaubt!

CBD wird aus Nutzhanf mit geringem THC-Anteil gewonnen. Produkte, die es enthalten, sind in Deutschland als Nahrungsergänzungsmittel und Kosmetika erlaubt, wenn ihr THC-Gehalt 0,2 Prozent nicht übersteigt. Diese Präparate sind nicht zu verwechseln mit den streng verschreibungspflichtigen Cannabisprodukten, die größere Mengen THC als Wirkstoff enthalten.

In den USA, Italien und Österreich wird CBD längst wie ein neues Superfood gehypet: Matcha und Kurkuma waren noch vor Monaten in allen Smoothies und Keksen enthalten, um das Wohlbefinden zu steigern – jetzt kommen für einen Aufpreis ein paar Tropfen CBD-Öl in den Latte Macchiato und der dazu servierte Cupcake wird schon mit CBD im Teig gebacken. Die amerikanische Vogue berichtet über Lippenbalsam, der mit dem “Wundermolekül” CBD  angereichert wird und hippe New Yorker Yoga-Studios bewerben CBD-Tinkturen auf ihren Websites. Das Hanf-Produkt scheint sich vom schmuddeligen Kiffer-Image gelöst zu haben und in der Wellness-Welt angekommen zu sein.  Auch in Berlin sind neben dem Kreuzberger Ladengeschäft schon mehrere Online-Shops ansässig, die CBD-Produkte vertreiben.

Österreich verbietet CBD-Produkte!

Doch der Trend hat auch Gegner: In Wien, wo man bis vor kurzem auch CBD-haltige Pizza bestellen konnte, stieg der Traditionsbäcker Aida im September erfolgreich ins Geschäft mit CBD-Brownies ein. Doch vor wenigen Tagen beschloss das österreichische Gesundheitsministerium ein Verbot von CBD als Nahrungsergänzungsmittel. Die Konditorei musste den Verkauf einstellen und verschenkte ihr restliches CBD-Gebäck am Mittwochabend in einer publikumswirksamen Aktion.

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Auch die österreichischen Apotheken und der Einzelhandel mussten CBD-Präparate aus dem freien Verkauf entfernen. Nur noch auf Rezept sind sie jetzt in Österreich verfügbar. Der Verkauf getrockneter Nutzhanf-Blüten mit einem THC-Anteil unter 0,3 Prozent bleibt dagegen erlaubt. In der Schweiz gibt es diese sogenannten “CBD-Blüten” seit April sogar beim Discounter Lidl als Tabak-Ersatz zu kaufen. Bei den Eidgenossen ist Cannabis mit einem THC-Gehalt von unter einem Prozent legal.

In Berlin wurden CBD-Blüten konfisziert!

In Deutschland ist die Gesetzeslage anders: Hier bewegen sich besonders die CBD-Blüten in einem rechtlichen Graubereich. Das Berliner Startup „Bunte Blüte“ vertreibt seit Ende Oktober getrockneten Nutzhanf über einen Online-Shop. Außerdem verteilte das Unternehmen seine Produkte an über hundert Berliner Spätis – 0,9 Gramm pro Packung für zehn Euro. Die Blüten, die laut Herstellerangaben einen THC-Gehalt von unter 0,2 Prozent haben, fanden laut Medienberichten in den kleinen Geschäften reißenden Absatz.

Dem hat die Berliner Polizei allerdings ein schnelles Ende bereitet. Seit Anfang November konfiszierte sie die Ware in zwölf Spätis – wegen des Verdachts auf unerlaubten Handel mit Betäubungsmitteln. Optisch unterscheidet sich getrockneter Nutzhanf mit sehr geringem THC-Anteil nicht von illegalem Cannabis mit hohem THC-Anteil. Darüber hinaus begründet die Polizei die Beschlagnahmung mit einem Gerichtsurteil des Oberlandesgerichts Hamm von 2016. 

Wird die Berliner Staatsanwaltschaft ermitteln?

In der Pressemitteilung des Gerichts dazu heißt es: “Der Handel mit Cannabisprodukten […] mit einem  Wirkstoffgehalt  von  weniger  als  0,2 Prozent  THC ist illegal, wenn er nicht ausschließlich gewerblichen  oder  wissenschaftlichen  Zwecken  dient,  die  einen  Missbrauch zu Rauschzwecken ausschließen.”  Die Ausnahmeregelung  fürs Gewerbe diene  allerdings nicht  dazu,  “die  Bevölkerung  mit  THC-schwachen Cannabisprodukten zu  persönlichen Konsumzwecken zu versorgen” und solle nicht das generelle Cannabisverbot  aufweichen.  Ein  zulässiger  gewerblicher  Zweck  sei erst dann  gegeben,  “wenn  der  Hanf  zu  einem unbedenklichen  Produkt,  wie  Papier,  Seide  oder  Textilien weiterverarbeitet ” werde .  Der  bloße  Konsum  sei  kein  zulässiger gewerblicher  Zweck.

Sollte die Berliner Staatsanwaltschaft dieser Argumentation folgen, könnte nicht nur gegen die “Bunte Blüte” ermittelt werden, sondern auch gegen den Laden in der Wrangelstraße. Der bietet nämlich nicht nur so skurril anmutende Produkte an wie CBD-haltige Gummibärchen oder Honig, sondern auch getrocknete Nutzhanfblüten.

Beitrag von Anne Kohlick

Liebe ist nicht das was man erwartet zu bekommen, sondern das was man bereit ist zu geben.

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Quelle: rbb24.de