Opfer Patient! – Die krankmachende Pharmaindustrie!

Die Dokumentation, „Der gekaufte Patient“, die am 9. Mai 2016 auf ARD veröffentlicht wurde, berichtet über die teils sehr kritisch zu betrachtenden Strategien der Pharmaindustrie beim Vermarkten “neuer Medikamente“ sowie deren Einfluss auf die Therapien von Patienten. 

Pharmakonzerne spenden Milliarden an Patientenverbände, vor allem vor und während der Einführung neuer Medikamente. Welche Ziele verfolgen sie damit?

In der Dokumentation sucht Autor Klaus Balzer nach Verbindungen und Einflüssen, spricht mit Patienten, Ärzten und Experten aus dem Gesundheitswesen. Was ist der richtige Weg? Können und sollen Patienten mit Pharmaunternehmen zusammenarbeiten?

2013 bringt der Pharmakonzern Sanofi ein neues Medikament gegen Multiple Sklerose auf den Markt. Das Medikament Lemtrada ist extrem teuer: Zwölf Milligramm kosten mehr als 10 000 Euro. Gleichzeitig schnellen die Spenden des Konzerns an den Patientenverband Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft in den Jahren 2013 und 2014 in die Höhe. Ein Zusammenhang?

Klaus Koch vom Institut für Qualitätssicherung und Management im Gesundheitswesen bejaht das. Spenden gehörten zur Marketingstrategie von Pharmaunternehmen. Mehr als fünf Millionen Euro spendeten Pharmaunternehmen in den vergangenen Jahren an Patientenverbände pro Jahr. Es ist schwer einen direkten Zusammenhang zur Einführung neuer Medikamente nachzuweisen. 

Aber die Pharmaunternehmen verfolgen noch andere Ziele. “Es geht um die Gewinnung von Teilnehmern an Medikamentenstudien der Industrie”, sagt Hilde Schulte, Ehrenvorsitzende der “Frauenselbsthilfe nach Krebs”. Diese Selbsthilfe-Initiative hat schon vor Jahren die Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie eingestellt, weil, so Hilde Schulte, Profitstreben und Patientengesundheit nicht zusammen passten. Dagegen setzt der Verband “Mamazone – Frauen und Forschung gegen Brustkrebs” auf die Zusammenarbeit mit Pharmaunternehmen. “Wir wollen unsere Bedürfnisse in die Konzerne hineintragen”, sagt Petra Stieber, Vorsitzende des Vereins, der immerhin mehr als 70 000 Euro jährlich von verschiedenen Pharmaunternehmen bekommt.

Immerhin investiert die Industrie mittlerweile auch auf Europäischer Ebene Millionenbeträge in den Versuch, Einfluss auf Patientenverbände zu bekommen, indem sie die sogenannte “Europäische Patienten Akademie” (Eupati) gründete.

Insbesondere Patientenverbände sind Ziel dieser Marketing-Strategie, um „neue“ Medikamente, deren Wirksamkeit in mindestens 60% der Fälle nicht besser ist, als bei den Vorgängermedikamenten, zu verkaufen.

Eigentlich sollte man doch von Patientenverbänden und Selbsthilfegruppen unabhängige Beratung, Informationen und Hilfe im Bezug auf ein Krankheitsbild und dessen mögliche Therapie erwarten können.

Leider ist das keine Selbstverständlichkeit, wie die Dokumentation anhand mehrerer Beispiele verdeutlicht!