Lernen von den Eltern. Wie wollen Sie im Alter leben?

Wer sich mit der letzten Lebensphase seiner Eltern beschäftigt, tut nicht nur ihnen einen Gefallen. Auch für das eigene Altern ist dies eine gute Vorbereitung.

In den vergangenen Wochen haben Sie sich im Coaching mit einem Thema beschäftigt, das viele Menschen gern ausblenden: dem Altwerden der eigenen Eltern und damit letztlich auch dem eigenen Älterwerden. Wer noch nicht so nah an der konkreten Situation ist, kann dieses Coaching als eine Art Prävention sehen.

In vielen der Übungen, die wir hier vorgestellt haben, ging es primär darum, eine stabile Bindung zu den Eltern zu entwickeln oder zu stärken und einen praktischen Umgang mit Fragen zu Hilfe und Pflege hinzubekommen. In dieser letzten Einheit geht es vor allem um Sie selbst.

“Ich glaube, es ist viel wert, wenn man aus dem dumpfen Unbehagen herauskommt und sich konkret mit dem Altwerden beschäftigt, denn Alterserscheinungen und vorausgehende Gebrechlichkeit kommen ja mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf uns zu “, sagt die Psychologieprofessorin Katja Werheid, die dieses Coaching zusammen mit dem SPIEGEL-WISSEN-Team entwickelt hat.

Unsere Expertin!

Katja Werheid lehrt Neuropsychologie und Alterspsychotherapie an der Humboldt-Universität in Berlin. Außerdem ist sie als Psychotherapeutin und Neuropsychologin in freier Praxis sowie im Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam tätig. Über den Umgang mit älter werdenden Eltern hat sie im vergangenen Jahr ein Sachbuch veröffentlicht:”Nicht mehr wie immer: Wie wir unsere Eltern im Alter begleiten können. Ein Wegweiser für erwachsene Kinder”.

Dazu kommt, dass die Beschäftigung mit dem Thema Alter auch die Frage beeinflusst, wie wir unser eigenes Leben gestalten wollen. Deshalb ist die letzte Aufgabe eine Art Selbstreflexion: “Was ist mir wichtig? Was will ich ändern? Was habe ich in Bezug aufs Altwerden gelernt?” Beantworten Sie dazu die folgenden fünf Fragen, entweder im Kopf oder schriftlich:

  • Wie will ich mit meinen Eltern in Zukunft umgehen? Wo habe ich Schwachstellen gefunden, die ich ändern will? Was würde mir Spaß und Freude machen im Umgang mit meinen Eltern und meiner Familie?
  • Wo will ich selbst erwachsener handeln: mich einerseits abgrenzen, andererseits offen und gelassen bleiben? Meinen Eltern, meinen Geschwistern, aber auch anderen Menschen wie Partnern, Arbeitskollegen oder Freunden gegenüber?
  • Wie will ich selbst leben, wenn ich älter werde? Mit welchem Partner, mit welchen Freunden, mit welcher Arbeit, Ehrenämtern oder Hobbys?
  • Was ist mir wichtig im Leben? Welche Dinge will ich jetzt verwirklichen oder erleben, die ich vielleicht nur noch wenige Jahre realisieren kann?
  • Was finde ich schön am Alter? Was davon könnte ich jetzt schon zelebrieren und mehr in mein Leben holen?

Haben Sie diese Fragen beantwortet oder zumindest zum Teil? Dann überlegen Sie sich nun zum Abschluss des Coachings, ob es eine einzelne Erkenntnis gibt, die Sie in den vergangenen Wochen im Hinblick auf Ihr eigenes Alter und die Beziehung zu Ihren Eltern neu hinzugewonnen haben. Damit wäre viel erreicht: Denn oft sind es schon ganz kleine Veränderungen im Umgang mit der eigenen Familie, die einen großen Unterschied bewirken.

Source: spiegel.de